kafi freitagComment

Volvo Art Session 2017

kafi freitagComment
Volvo Art Session 2017

Jedes Jahr lädt VOLVO SCHWEIZ zu einem Anlass, bei dem Kunst im Vordergrund steht und nicht wie sonst immer Autos. Für mich ist dies bereits die 3. VOLVO Art Session in Folge. Und ja, meine liebste soweit. Ich bin ja bekanntlich ein Kulturbanause, ich verstehe von Autos bedeutend mehr als von Kunst. Darum ist die Kombi von Kulturvermittlung und PS genau die richtige Art Eingliederungsprogramm für mich. Diesmal dreht sich der Event um 'Human meets Digital', ein Thema, was mich als digital funktionierenden Menschen täglich umtreibt.

Martin Lindstrom, der Keynote Speaker, der von sich behauptet, er sei im Kopf noch immer 15 und von dem andere behaupten, er sei einer der 100 einflussreichsten Menschen dieser Welt, redet über Big Data vs. Small Data. Die immensen Datenmengen, die heute gesammelt werden führen zum Irrglauben, dass wir durch deren Analyse wissen, was Menschen brauchen. Er geht den anderen Weg und zieht von Haushalt zu Haushalt, um Menschen im Leben zu beobachten und direkt zu befragen und seine Prognose ist, dass immer die Emotionen des Menschen im Fokus stehen werden und sollten, egal wie digital wir leben. Wenn man sich auf Netflix Serien wie Blackmirror oder Darknet ansieht, kann man bisweilen in eine kulturpessimistische Depression verfallen diesbezüglich. Man will uns weismachen, dass wir langsam aber sicher zu gesteuerten Robotern werden. Lindstrom ist da gottlob zuversichtlicher und sieht trotz der Entwicklung in besagte Richtung unsere Gefühlswelt als Gegenpol. 

Natürlich hätt' ich den Speech gern für Euch gefilmt, aber mir ist der Arm nach 2 Minuten eingeschlafen und hinter mir waren alle genervt, und spätestens, als Martin gesagt hat, dass wir am Morgen als Erstes das Handy berühren, anstatt unsere Lebenspartner, habe ich mein iPhone diskret weggesteckt. Du kannst den Speech hier anschaun. 

Die Tanzperformance war auch schön, ja. Aber wirklich fasziniert hat mich die Augmented Reality Kunstinstallation des Berliner Künstlerkollektivs Refrakt. (Ich bin extra deswegen heute ein zweites Mal in den Schiffbau, um mir das ganze nochmals in Ruhe anzusehn.)

Auf den ersten Blick Bilder, die so rumhängen. 

20171014-IMG_6818-2.jpg
20171014-IMG_6821-2.jpg

Aber sobald man die dazugehörige App runterlädt und damit das Bild anschaut, offenbart sich einem das ganze Geheimnis und man hat Kunst vor sich, die wortwörtlich visuell einlullt (schöns Tüllröckli, gell?): 

20171012-IMG_5449.jpg
20171012-Snapseed.jpg
IMG_5514.JPG

Der Effekt funktioniert auch zu Hause mit den Postkarten von Refrakt:

Die Lichtinstallation der ZHdK kann einen an die ungeliebte Weihnachtsbeleuchtung der Bahnhofstrasse erinnern. Mich hat sie an die Expo 02 erinnert, an den farbigen Säulengang zum Pavillon 'Oui!' in Yverdon-les-Bains, wo man sich für ein paar Stunden temporär verheiraten konnte und wo ich mich zum Ersten von insgesamt 3 Mal trauen liess. (Das Konzept der befristeten Ehe hatte mir schon damals sehr zugesagt.)

Die Lichtsäulen sind mit Senoren versehen und reagieren auf die Besucher in dem sie sich in die Höhe heben, oder wieder absenken. Sobald man vom Sensor erfasst wird, ist man Teil der Kunstinstallation und nicht mehr nur Zuschauer. Die Farben der einzelnen Säule lassen sich zusätzlich auf dem Ipad wischend steuern. Solange nur eine Person das tut, bleibt die Farbgebung unter Kontrolle. Sobald aber mehrere Menschen an mehreren Ipads einwirken, kann man nicht mehr genau sagen, was man nun selber steuert und wo man übersteuert wird. Diese Funktion lehnt sich an die Unsteuerbarkeit der eigenen Daten im Internet an. Wir alle reden uns ein, im Griff zu haben, wie viel wir preisgeben und wo wir steuern, aber auch dies ist nur eine nette Illusion. 


Wunderschön umgesetzt von einer Künstlergruppe der ZHdK. 

kafi freitag

Und wer wie eine Schwäche für Autos hat, kam selbstverständlich auch auf seine Kosten. Vorgestellt wurde der brandneue XC40, den ich bereits vor ein paar Wochen anlässlich des Weltpremiere Reveals in Mailand anschauen durfte. Er ist viel grösser und geräumiger, als ich ihn mir vorgestellt hatte, (nur grad 50 cm kürzer als der V90 den ich fahre) ein echter SUV halt. Und obwohl SUV, (ich bin ja eher Kombi-Liebhaberin, bis anhin konnte mich kein SUV begeistern) gefällt er mir erstaunlich gut. Aussen ist er sehr edgy, seine Linienführung ist klar und mutig. Am besten sichtbar wird diese, wenn man dem XC40 Farbe und Licht wegnimmt.

Und auch der Innenraum ist ungewohnt. Zum einen in der Farbe, zum anderen merkt man, dass man hier Funktion vor Design gestellt hat und Zweiteres trotzdem nicht zu kurz kam. In Mailand konnte ich mit dem Chefdesigner des Wageninneren des XC40 reden, er hat mir das Konzept und die Ideen dahinter vorgestellt. Alles in Griffnähe. Niemand soll sich mehr nach irgendwas ducken oder durch etwas abgelenkt sein, was im Wageninneren passiert. Auch hier steht zwar Sicherheit im Fokus, spüren kann man diese allerdings als Komfort. Das Handy hat seinen Platz und wird dort kabellos geladen und die Handtasche wird an einem Haken festgemacht. Nichts fliegt und rollt mehr lose durchs Cockpit beim Bremsen und in der Tür hat das Notebook Platz. Eigentlich alles extrem naheliegend und simpel. Aber trotzdem hat es vor Volvo noch niemand so angedacht und umgesetzt. Dieser Designprozess dauerte 4 Jahre. 4 Jahre in denen der Designer mit niemandem drüber reden darf, noch nicht mal mit der eigenen Frau. Selbstverständlich habe ich ihn mit meinem schwarzen Humor konfrontiert und gesagt, er könnte schon, müsste sie danach einfach verschwinden lassen, was er zwar als gangbaren Weg erachtete, aber bei der Frequenz an Neuwagen dann doch wenig ökologisch ;))

xc40 innen kafi freitag

Ob mir das zweifarbige Konzept gefällt, weiss ich noch nicht wirklich. Vielleicht endlich ein erstes Anzeichen dafür, dass ich alt werde? Wie seht Ihr das, no go oder super? Der Chefdesigner Ian Kettle meint, dass es die Linienführung noch mehr unterstreicht, ich bin gespannt wie dieses Designelement auf der Strasse wirkt. Die Idee ist nicht neu, bereits in den 60er Jahren wurde der P210 zweifarbig angeboten und zwar in ähnlicher Farbkombi wie beim CX40.

p210

Aber auf die taubenblaue Lackierung stehe ich sehr, sie erinnert mich an die Farbpaletten der Karossen der 50er Jahre. Ich liebe sie regelrecht. Sie passt halt einfach auch sehr gut zu meinem Tüllrock. 

Wie bereits erwähnt, bereits meine 3. VOLVO Art Session, aber meine 1. als 'Friends of VOLVO' Ambassadorin und darum nehme ich den Anlass auch dann noch ernst, wenn alle andern bereits durchrehn. ;))

20171012-IMG_5464.jpg