kafi freitagComment

Was würden wohl die Leute sagen?

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Was würden wohl die Leute sagen?

Was würden wohl die Leute sagen?

Eine Frage, die wir uns immer wieder stellen. Eine Frage, die uns oft daran hindert,  Dinge zu tun, die wir eigentlich gern tun würden. Oder Entscheidungen zu treffen, die für uns richtig sind. 

Wir überlegen uns sehr gern, was andere über uns denken könnten. Und selten kommen wir zu einem bestärkenden Schluss. Viel öfter haben wir Angst, dass man über uns schlecht denken oder reden könnte. Und lässt es dann sein. 

Aber sind wir Mal ehrlich; im Zentrum eines jeden steht er selber. In letzter Konsequent interessieren sich die Menschen nicht so sehr für Andere, wie man zuweilen denken könnte. Natürlich wird viel geredet, es liegt in der menschlichen Natur, über andere zu werten. Es war vor langer Zeit von immenser Wichtigkeit, dass man in einem Sekundenbruchteil abschätzen konnte, ob jemand ein Freund oder ein Feind ist. Muss ich angreifen oder wegrennen oder kann ich entspannt stehen bleiben?  Wir sind aufs Werten trainiert, wir können uns nicht wirklich dagegen wehren. Lang bevor unser Neocortex sich einschaltet, hat das lymbische System längst eine Bewertung getroffen, wir können diesen Prozess nicht mit unserem Verstand steuern. 

Aber wir können entscheiden, was danach passiert. Zerreisse ich mir den Mund über jemanden anderen oder halte ich meine Klappe. Verliere ich mich im Lästern über andere oder kümmere ich mich um meine eigenen Themen. Das Reden über andere ist ein wichtiger sozialer Kitt, wir können nicht anders, wir müssen immer wieder über unsere Mitmenschen reden. Nur, wie tun wir das? Ist der Ton gehässig und von Neid gefärbt oder anerkennend? Und würden wir auch so über betreffende Person reden, wenn diese im Raum wäre? Wir würde ich mir wünschen, wie über mich geredet wird? 

Wie oft kastrieren wir uns der Leute wegen, anstatt dass wir unser eigenes Denken etwas lenken und uns selber und anderen etwas mehr Raum und Freiheit zugestehen.

Vieles passiert automatisch und unterbewusst. Trotzdem können wir etwas tun; wir können uns von der Meinung anderer loslösen, uns befreien. In meiner Coachingpraxis sitzen sehr oft Menschen, die es nicht wagen, ihre Träume wahr werden zu lassen. Aus Angst, dass man sie unbescheiden finden könnte. 

Aber denken wir es einmal weiter: was genau wäre so schlimm daran? Im schlimmsten Fall würde man mich nicht mehr mögen, nun gut. Das ist keine schöne Vorstellung, zugegeben. Aber will ich mich mit Menschen umgeben die mich nur dann gern haben, wenn ich bescheiden durchs Leben gehe und mir nichts gönne? Will ich Menschen zu meinen Freunden zählen, die eifersüchtig reagieren, wenn ich mich zu den Sternen strecke? Ich habe diese Frage vor langer Zeit für mich beantwortet und es hat mich sehr frei gemacht:

Nein, will ich nicht. 

Es leben momentan etwas mehr als 7.591.541.000 Menschen auf der Erde. Egal was ich tue, irgendjemandem wird es nicht passen. Ich kann und will es nicht allen recht machen. Weil es eh unmöglich ist. Wenn man das erst einmal verstanden und verinnerlicht hat, dann kann man sich von der Idee, allen zu gefallen, lösen. Und wenn man nicht allen gefallen muss, dann kann man sich einmal ernsthaft überlegen, was man eigentlich selber möchte. 

Wir alle haben 1 Leben zur Verfügung. Du und ich leben jetzt gerade, in diesem Moment. Was würde passieren, wenn wir uns nicht mehr fragen würden, was andere denken, sondern viel öfter, was wir denken? Was würde passieren, wenn wir viel radikaler das tun würden, was für uns stimmt. Ohne Rücksicht auf die Wertung von Eltern, Nachbarn, angeblichen Freunden und Arbeitskolleginnen? 

Und was würde möglich, wenn wir nicht mehr über Entscheidung anderer richten und werten würden. im Wissen darum, dass es anmassend und überheblich ist, weil wir nicht in den Schuhen anderer stehen und nicht fühlen können, was der Andere fühlt?

Vor ein paar Tagen habe ich ein Lied von Udo Jürgens gehört, dass ich nie zuvor gehört hatte. Er hat es 1970 geschrieben, doch es ist aktueller denn je:

"Leute reden über jeden!"
Das ist wahr, und die Welt ist so alt.
Warum läßt denn, was sie reden
oder reden könnten, uns nicht kalt?
Richten wir uns nicht nach den Leuten?
Kann, was man sagt, über uns sagt,
denn so viel bedeuten?

Wer, wer sind sie, die Leute,
für die jeden Tag so vieles geschieht,
die man nie von Angesicht sieht?
Wer, wer hat sie zu Richtern ernannt?
Sagen wir doch einfach mal "Nein!"
Wagen wir selber zu sein.

Sie sind wie ein Ungeheuer,
das uns niemals aus den Augen läßt.
Wenn's uns gut geht, wird es böse,
wenn's uns schlecht geht, gibt es uns den Rest...
Sollten wir's nicht überlegen,
eh' wir was tun, oder auch nicht -
nur der Leute wegen?

Wer, wer sind sie, die anderen, die sagen:
"Ihr müßt leben wie wir,
und nicht so, wie jeder gern möcht'?"
Wer, wer sind sie, die Leute,
für die jeden Tag so vieles geschieht,
die man nie von Angesicht sieht?
Wer, wer sind sie, die Leute,
für die man oft tut, was einem nicht paßt?
Noch dazu, obwohl man sie haßt?
Wer, wer sind sie, die anderen,
die unser Glück zerreden?
Woher nehmen sie sich dazu das Recht?

Überlegen wir uns nicht mehr so oft, was die Leute denken könnten, sondern vermehrt, was wir eigentlich denken. Denn wir sind es, die Verantwortung übernehmen müssen für unser Handeln, unsere Entscheidungen, nicht die Leute.