Dörfs es bitzeli meh Kultur sii?

Dörfs es bitzeli meh Kultur sii?

Dass ich in kein Schublädli passen will, ist hinläufig bekannt. Statt für Juwelen interessiere ich mich für Autos und wenn ich wählen kann zwischen einem TV-Abend mit der Bachelorette und einer Nacht in einem In-Club, dann wähle ich selbstverständlich die dumpfe Bespassung auf dem heimischen Sofa. 

Und ich kann noch nicht einmal dem Alter Schuld geben, weil ich noch nie ein Partyanimal war. Ich habe den Sinn hinter den langweiligen Nächten in dunklen Clubkellern nie verstanden, die Musik ist zu laut für ein Gespräch und wenn man nicht gerade heimlich verliebt ist und das Objekt der Begierde vor einem tanzt, macht das Ganze für mich null Sinn. Hat es noch nie. Es ist so todlangweilig in Clubs. Jeder wartet darauf, das irgendwas Spannendes passiert. Tut es aber nicht. Nie!

Darum stand ich auch vor 20 Jahren nie in Warteschlangen vor Diskos und wenn mich heute jemand mitschleppen will, dann habe ich eine lange Liste an glaubhaften Ausreden parat. Tanzen kann ich auch daheim und dort bin ich auch meine eigener DJ. Drogen konnten mich auch nie locken und wenn, dann würde ich die auch lieber auf dem Sofa nehmen, als unter fremden Menschen. Und Konzerte bin ich als alter Udo Jürgens Fan natürlich auch sitzend gewöhnt, meine Beine sind nicht gemacht für einen Tag lang im Schlamm an einem Openair stehn. 

Was tut ein Mensch, dem das gängige Ausgangsangebot nichts gibt? Er geht ins Kino. Das ist schön und gut, aber dann halt doch nur eine bessere Form von Netflix. Es dürfen gern ein paar Menschen um einem rum sein, mit denen man dann in der Pause mit einem Bier anstösst und ein paar Worte redet. 

Dieses Wochenende ist es mir klar geworden, ich muss mehr ins Theater! Ich wurde vom Leiter des Theaters Am Hechtplatz zur Premiere des neuen Stücks "the Show must go wrong" eingeladen und ich habe den Abend so sehr genossen, dass es mir nichts ausgemacht hat, am darauffolgenden Tag schon wieder in einem Theater zu sitzen und zwar bei der Bernhard-Matinée von Moritz Leuenberger. Zu beiden Anlässen bin ich nur gekommen, weil ich dazu eingeladen wurde. Im letzten Winter war ich zu Gast in der Bernhard Matinée und seither habe ich keine ausgelassen.

The Show must go wrong

The Show must go wrong

Theater Hechtplatz

Theater Hechtplatz

Als Bundesrat mochte ich den Leuenberger ja nicht so, aber als Gastgeber und feingeistiger Unterhalter trifft er genau meinen Geschmack. Und wenn sich dann noch die Filmkritiker Alex Oberholzer und Wolfram Knorr gepflegt ins lichte Haar geraten, dann ist mein Sonntag gerettet und dann stört es mich auch nicht, dass ich unter den jüngeren bin im eher angegrauten Publikum. 

Kafi zu Gast in der Bernhard Matinée

Kafi zu Gast in der Bernhard Matinée

Endo Anaconda zu Gast in der Bernhard Matinée

Endo Anaconda zu Gast in der Bernhard Matinée

Das Kultur eine tolle Sache ist, ist keine bahnbrechende Erkenntnis, ich weiss. Aber mir wurde erst kürzlich so richtig bewusst, dass solche Abende (oder eben Mittage, wie bei der Matinée) eine grosse Ressource für mich sind. Ein toller Kinofilm bewegt mich auch, aber die Energie, die von Menschen auf der Bühne ausgeht, steckt mich trotzdem auf andere Weise an.

Darum bin ich seit ein paar Monaten Fördermitglied im Theater Rigiblick, ich brauche manchmal etwas Druck, damit ich etwas anschauen gehe, was mir davor nichts sagt. Und mit dem Förderticket erkaufe ich mir einen Platz in der ersten Reihe und wer mich kennt weiss, dass ich unter der ständigen Angst leide, nicht den allerbesten Platz zu haben ;)  Wenn ich dann aber nach einem Tribute-Abend aus dem Rigiblick laufe und das Uber-Radio Marc Sway spielt, den ich kurz zuvor habe Stücke von Ray Charles singen hören, dann weiss ich, dass es jetzt wirklich soweit ist: ich muss mehr ins Theater, gopf!

Tribute to Ray Charles im Theater Rigiblick

Tribute to Ray Charles im Theater Rigiblick

Ein Kindertheater von Andrea und Adrian Schulthess. 

Ein Kindertheater von Andrea und Adrian Schulthess. 

P.S. Für Lesungen und Konzerte gehe ich übrigens schampar gern ins Kaufleuten. Nicht nur, weil ich mir dort mit einem feinen Abendessen einen guten Platz an der Veranstaltung ergattern kann, aber auch! Das Kaufleuten hat den schönsten Konzertsaal überhaupt und meine eigene Lesung fand auch dort statt, ach...