kafi freitagComment

Åre

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Åre

Vor ein paar Wochen war ich in Schweden. Mein erstes Mal. Die totale Entjungferung. Und dann noch als Gast von VOLVO, Ihr könnte Euch denken, wie verzückt ich darüber war!

Wer mich kennt weiss, wie sehr ich für VOLVO schwärme. Schon seit ganz langem. (Warum das so ist, kann man hier in diesem tollen Interview nachlesen.) Darum war es für mich eine ganz besondere Reise, über die ich einen kleinen Reisebericht geschrieben habe: 

Im Norden von Schweden, am Flughafen Åre Östersund wartet ein nigelnagelneuer V90 Cross Country auf mich. Das ist der starke Bruder von meinem Lieblingsauto, dem V90. Er ist ein kleines Stück höher unterwegs und hat robuste Verschalungen, genau das richtige für eine Offroadtour ausserhalb der gepützelten Grossstadt. 

Mit dem Wagen fahre ich weiter nach Undersåker, ein Ort mit 438 Einwohnern und von dort noch weiter ins Outback, wo ich die kommenden Nächte in der Volvo Get Away Lodge verbringen werde. Mich erwartet ein traditionell schwedisches Blockhaus, was an einem anderen Ort ab- und hier in der EInsamkeit wieder aufgebaut wurde, fast wie im Ballenberg Museum, nur bitz cooler. Und viel kühler. Und verdammt viel Stille. 

Joanna, die sympathische Concierge der Lodge empfängt mich herzlich. Das Haus ist bereits eingeheizt und wunderschön eingerichtet. Draussen schneit es jetzt in dicken Flocken, in der Nacht soll es Minus 20 Grad werden, drum bin ich ganz froh, dass der Kühlschrank gefüllt ist mit den feinsten Sachen aus der Region und ich mich heute nicht mehr vom Kamin wegbewegen muss. 

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Überhaupt könnte ich die Tage im Haus verbringen. Und stünde nicht vor der Tür ein winselnder V90CC, ich käme vermutlich noch auf die abwegige Idee , im Yogaraum tatsächlich Yoga zu machen. So aber schmökere ich nur etwas in den Mindfullness-Büchern und fühle mich nach dem Abbrennen eines Räucherstäblis schon sehr bei mir. 

Dieses Gefühl von eiskalten Winterwonderland draussen und der kompromisslosen Gemütlichkeit drinnen, könnte ich mir noch viel länger geben. Ich bevorzuge sonst immer warm vor kalt und als einziger Schweizer, der nicht Skifährt, habe ich die Faszination für den Winter nie ganz nachvollziehen können. Aber hier, hoch oben in Schweden, ist es dann auch um mich geschehn. Ich setze mich mit einer grossen Tassen Tee vors riesige Fenster in der Küche und schaue einfach nur raus. Draussen stehen Birken und es liegt hoher Schnee. Es dunkelt langsam ein, der Himmel wechselt durch alle Schattierungen von blau bis schwarz. Richtig schwarz. Einzig und allein die Skipisten von Åre sind hell erleuchtet, ansonsten ist alles finster. Richtig finster. Krass. 

Ich schlafe tief wie ein Stein, obwohl mir die Geräusche der Stadt fehlen. Die Reise hat mich müde gemacht, ich war insgesamt 9 Stunden unterwegs von Haus zu Haus. In der Zeit hätte ich nach NYC fliegen können. Stattdessen wache ich im Nirgendwo im Norden Schwedens auf. Die Sonne geht auf und taucht den die Bergspitze, die ich von hier aus sehen kann, in goldenes Licht. Joanna hatte mir erzählt, dass dies der höchste Berg sein soll von Schweden. Wenn dem so ist, dann haben die ja keine Ahnung von Bergen, die Schweden. 

 

Ich hülle mich in die vielen Schichten Thermowäsche und in die warmen Outdoorausrüstung , die mir Joanna überreicht hat und verbinge den ganzen Tag Draussen. Also zumindest halb draussen, weil ich die Sitz- und Lenkradheizung einfach zu lieb ist und ich darum immer mal wieder ins warme Auto steigen muss.

Ein sehr geiles Fahrgefühl, wenn man mit Spikes auf verschneiten Strassen unterwegs ist. Das kennt man bei uns ja nicht, beim ersten Schnee wird geräumt und die Strassen die ich fahre, sind auch im Winter meistens schwarz. Umso mehr geniesse ich dieses von Weiss umhüllt und praktisch allein auf der Strasse unterwegs sein. Wenn man ein bisschen rausfährt, begegnen einem nicht mehr viele Menschen. Entweder wohnt hier keiner oder niemand will bei dieser Saukälte raus. Inzwischen sind es Minus 12 Grad und das Wetter ist saumässig launisch. Es wechselt fast minütlich von Sonnenschein zu grau und bedeckt, es schneit und es nieselt und immer bricht die Sonne genau dort durch, wo ich nicht bin. 

Aber ich nehme das nicht persönlich. Im Wagen ist es heimelig warm und ich fahre zum Wasserfall, den mir Joanna ans Herz gelegt hat. Es soll ja angeblich der grösste von Schweden sein, aber nach dem grössten Berg Schwedens erwarte ich nicht mehr so viel. Und bin dann schon sehr beeindruckt, wenn nicht gar demütig ob der Gewalt an Wasser, die da den Felsen runterfliesst. Es hat etwas hypnotisches, in fliessendes Wasser zu schauen. Mir jagen Wassermassen in dieser Grösse einen Höllenrespekt ein und es wechseln sich Angst und Faszination in mir ab. Kann aber auch sein, dass ich mir fast in die Hose mache, weil es stark zu schneien beginnt, kaum ist die Drohne abgehoben. Auf dem Display blinkts in allen Farben und es schreit mir entgegen, dass es viel zu kalt ist, die Batterie gleich stirbt und das schöne Hightechbaby demnächst in die Fluten stürzt. Tut sie aber nicht. Stattdessen kommt sie zurück, wie ein wohlerzogenes Hundli. Aufatmen. 

Das Wasser fliesst in einen zugefrorenen See, im Winter werden darauf Winterfahrtrainings angeboten. Ich muss unbedingt auch mal einen Fuss darauf setzen, wenn auch nicht gerade ein ganzes Auto. Schon gar nicht ein geliehenes, gopf. 

Es hält tatsächlich! Ich stehe jetzt auf dem Eis. Ob ich doch mal mit dem Volvo eine Runde drehen soll? Ich bin ja ein bekennender Angsthase, aber reizen tut es mich schon. Aber wer weiss, ob genau dieser See der einzig unbefahrbare in Schweden ist? Die Sonne kommt durch, scheint mitten auf mein Gesicht. Sehr verdächtig das Ganze. 

Statt aufs Eis fahre ich in die Copperhill Mountain Lodge, die ganz oben auf dem Berg steht, oberhalb des Skiorts Åre. Auf den Bildern sieht das Hotel spektakulär aus, als ich davor stehe, dann schon bedeutend weniger. Drinnen ist es aber schon sehr toll. Der ganze Bau ist aus Holz gefertigt und architektonisch sehr spannend und alle Menschen die sich hier tummeln sind schön. Die Kellner haben rote Hippsterbärte und sehen allesamt einer hippen Holzfällerband entsprungen aus und die Kellnerinnen sind allesamt blond, schön und charmant. Ich esse ein verdammt feines Clubsandwich. Möchte am liebsten an den Kamin sitzen und mich durch die Cocktailkarte trinken. Wird aber nichts draus, will ja noch fahren. Darum Tee weit weg vom Kamin. 

Später in der Lodge verdamme ich das Clubsandwich, mir ist übel. Vielleicht liegts aber auch an der Joga-Nagelmatte, auf die ich mich gelegt habe. Geiles Ding irgendwie, sowas zwischen Aua und mhmmm. Vermutlich hat jede anständige 50 Shades of Grey Liebhaberin so eine Matte Zuhause, für mich ist es einmal mehr das erste Mal. Aber wie gesagt, jetzt ist's mir übel. Schade. Joanna hat mir einen begehrten Platz in einem Pop up Restaurant gebucht, da wird jetzt nichts draus. Will morgen gesund sein, fuck!

Das Bett ist ein Traum. Draussen ist es viel zu dunkel und viel zu still. Ich vermisse das Quitschen des Trams und das Gegröle von Betrunkenen, die von der Langstrasse abgekommen sind. Wie sehr man sich doch an Lärm gewöhnt, wird mir erst in dieser Absenz von Geräuschen bewusst. Trotzdem schlafe ich gut.

Zuhause sitze ich oft vor meinem Bildschirm oder in meiner Praxis. Alles geht schnell, ich bin fast ständig online, es gehört zu meinem Job und ich mag es. Gleichzeitig geniesse ich es sehr, dass hier ein anderer Pace herrscht. Schade, dass man bei der Umsetzung der Getaway-Idee nicht noch viel konsequenter war, und auf Wifi verzichtet hat. Als Mensch, dem das Iphone fast schon an der Hand angewachsen ist, werde ich gern ab und an bevormundet und zum offlinesein gezwungen.  Aber wenn's schon mal da ist, poste ich noch schnell ein paar Bilder auf Instagram...

 

 

 

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