Kafi tanzt.

Unterwegs sein bedeutet für mich viel mehr als reisen. Denn meistens bin ich nicht im Urlaub und nicht auf Reisen, sondern meistens dort, wo ich lebe und arbeite, in meinem Alltag. Unterwegs sein bedeutet für mich in Bewegung sein, neugierig und im Fluss mit meinem Leben. 

Das bin ich, wenn ich tanze. Und ich tanze immer! Jeden einzelnen Tag. 

Ich tanze, wenn es mir gut geht und ich tanze, wenn es mir beschissen geht. Ich tanze, wenn es etwas zu feiern gibt und ich tanze, wenn das Leben mal nur zum Weinen ist. Ich tanze, wenn ich verliebt bin und ich tanze, wenn ich am liebsten schreien und um mich schlagen möchte. 

Ich habe getanzt, als in Paris und ganz vielen anderen Städten der Welt Menschen durch den irrsinnigen Terror starben und ich musste zu sehr lauter Musik und recht ausgiebig tanzen, als der Wixer Trump gewählt wurde. Dadurch hat sich die Welt äusserlich nicht verändert, das ist mir schon bewusst. 

Aber wenn ich tanze, dann geht es mir besser. Ich bin dann ein Stück fröhlicher und dadurch mache ich meine kleine Welt zu einer besseren. So übernehme ich Verantwortung für meine eigene Stimmung und gebe meinen Frust nicht an meine Mitmenschen weiter. Ich stelle die Musik laut und bewege mich mehr schlecht als recht zur Musik. Das erfüllt mich mit Power. Mit Liebe und Zuversicht. 

Manchmal habe ich dafür richtig Zeit, manchmal sind es knapp 5 Minuten vor dem Duschen und aus dem Haus rennen oder sogar unter der Dusche. Zwischen zwei Klienten plane ich immer ein paar Minuten dafür ein und vor jedem Artikel, den ich schreibe, tanze ich.

Unsere Welt ist nicht perfekt. Und meine ist es leider auch nicht. Wenn ich dem Ungemach ins Gesicht spuken will, dann gelingt mir das tanzend am besten. Blockierte Energie wird dadurch wieder in Schwung gebracht und mein Gehirn belohnt mich mit einem bunten Mix an Glückshormonen, die mich durch den Tag begleiten.

Für jeden Zustand habe ich das passende Lied parat. Max Herres Vida weckt meine Demut und Dankbarkeit fürs Leben. Following you von Marc Sway stählt meine Lebenslust und bringt mich in Schwung. Und wenn ich jemandem im Geheimen Gutes tun will, dann schwofe ich gedanklich mit dieser Person zu Have I told you lately von Rod Stewart. For once in my life von Stevie Wonder bringt mich vor Partys in Stimmung und zu Udo Jürgens tanze ich immer, bevor ich einen Speech halte. 

Wenn ich zu Musik meiner Jugend tanze, dann kann ich mir Botox sparen. Step by step von Whitney Houston, ein eigentlich fürchterlicher Song, versetzt mich in Sekunden in meine jungen Zwanziger zurück, als ich mit kurzen blauen Haaren mit dem Auto meines Vaters in Italien unterwegs war und man mich nicht mehr einreisen lassen wollte, weil ich weder eine ID noch einen Fahrzeugausweis dabei hatte.

Wäre ich Lehrerin, ich würde meine Schüler jeden morgen tanzen lassen, wäre ich Bundesrätin, ich würde im Parlament eine deftige Soundanlage einbauen lassen und die Politiker täglich mit Tanzmusik beschallen. 

Wer denkt, dass man nur im Club tanzen kann, ist selber schuld. Wer seine schönsten Kleider im Schrank hängen lässt, weil die Gelegenheit zum Tragen angeblich fehlt, verpasst sein Leben. Wer dem Alltag tanzend begegnet, gewinnt an Gelassenheit und Leichtigkeit. Und wer diese hat, ist unterwegs im Leben!

In diesem Sinne: steh auf und tanz mit mir! Gleich jetzt! Mach Dich locker, baby. Es gibt keine Ausrede, die ich gelten lasse. Musik laut stellen oder Kopfhörer aufsetzen und hoch mit Dir!

Von Herzen, Deine Kafi